Bericht des Fanvertreters im Aufsichtsrat

15.10.2017 | 20:10
Es dürfte niemanden verwundern, dass es mir aktuell ziemlich schwer fällt, meiner Chronistenpflicht als Fanvertreter im Aufsichtsrat nachzukommen. Daher weiß ich am Beginn dieser Zeilen auch noch gar nicht, wo das hier hinführt. Die reine Aufzählung der Themen aus der letzten Sitzung springt sicher zu kurz, meine persönlichen Befindlichkeiten/Einschätzungen interessieren vielleicht auch nicht ...

Wesentlichen Raum der mehr als vierstündigen Sitzung nahmen dabei Personalfragen, insbesondere das Trainerthema, ein. Jürgen Lukas erläuterte dabei den Prozess der Entscheidungsfindung, gab Infos zu den geführten Gesprächen und präsentierte am Ende den gefundenen Kandidaten Arigirios Giannikis.

Zum Prozess: Es gab ein Anforderungsprofil mit „harten Faktoren“ und weichen „Faktoren“ an dem alle Kandidaten abgearbeitet wurden. Dies geschah seitens Jürgen Lucas in enger Abstimmung mit Michael Welling, dem AR-Vorsitzenden und insbesondere dem Sportbeirat. Bei Kandidaten, die grundsätzlich in Frage kamen, hat man über bestehende Netzwerke zunächst weitere Infos zur Person eingeholt. Anschließend gab es dann auch einige Gesprächsanfragen unsererseits, die wegen vertraglicher Gebundenheit/keinem Interesse nicht zustande kamen. In Teilen fehlte das Interesse sicherlich auch aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen. Mit insgesamt 3 Kandidaten wurden persönliche Gespräche geführt, wobei letztlich Jürgen Lukas und den Sportbeirat die Person Arigios Giannikis überzeugte. Der AR wurde in der Sitzung auch über die Gespräche mit den anderen Kandidaten informiert und über weitere Kandidaten und die Gründe warum es hier zu keinen weiterführenden Gesprächen kam. Die Gründe waren mal bei RWE selbst, mal beim Kandidaten zu suchen.

Warum sich der Verein mit seinen Gremien so entschieden hat, wurde heute auf der Pressekonferenz sicherlich begründet. Während ich diese Zeilen schreibe, kenne ich den Inhalt der PK allerdings noch nicht. Ich hatte am Freitag vor dem Spiel (und unmittelbar vor der Vertragsunterzeichnung) die Gelegenheit, unseren neuen Trainer in einer gemeinsamen Runde mit 4 AR-Mitgliedern, JL, MW und unserem Sportbeirat kennenzulernen und Fragen an Ihn zu richten. Ich denke, er weiß sehr genau, auf was er sich hier einlässt.

Das ganze Procedere rund um die Einstellung des neuen Trainers habe ich als Mitglied eines Aufsichtsgremiums als hochprofessionell empfunden, ohne letztlich natürlich über die fachliche Kompetenz zur Beurteilung eines Trainers zu verfügen. Genauso wenig übrigens, wie Teile der Foren- und Facebookgemeinde, die aufgrund der Personalie Schnappatmung kriegen und Ihr profundes Fachwissen sogleich in „nette“ Worte Richtung RWE-Verantwortliche und Trainer verpacken. Unser Trainer ist dort übrigens nicht unterwegs, entsprechende „Grüße“ laufen daher leider ins Leere.

Für die fachmännische Würdigung der Kandidaten haben wir ja u.a. auch einen Sportbeirat. Aber bereits am Dienstag war uns klar, dass die Verantwortlichen für dies Personalie nicht gefeiert würden, aber das darf nicht maßgeblich für eine Entscheidung sein. Auch wenn es nicht so im Focus steht, muss sich der Verein auch im Vertrieb neu aufstellen. Mit Martin vom Hofe und Olli Wegmann haben zwei wichtige Mitarbeiter dieses Teams RWE verlassen. Für Olli Wegmann wurde Ersatz gefunden und für die Vertriebsleitung befinden wir uns in guten Gesprächen.

Keine neuen Entwicklungen gibt es in der Personalie Winkler. Dadurch, dass das Verfahren jetzt einen anderen Richter bekommen hat, verzögert sich hier eine Entscheidung. Aktuell findet man keinen Mitarbeiter bei RWE, sei es gut bezahlt oder ehrenamtlich, der nicht fassungslos und frustriert vor den bisherigen Ergebnissen dieser Saison steht. Aktuell schießen sich Teile der Fans auf den nächsten Sündenbock ein und schiessen in Ihrer Wortwahl dabei deutlich über das Ziel hinaus. Hierzu möchte gar nicht großartig selbst was schreiben, sondern auf die (aus meiner Sicht) sehr gute Analyse von Dominik Gsell bei Jawattdenn.de vom 09.10. verweisen

https://www.jawattdenn.de/jawattdenn/ich-sach-ma/ein-r%C3%BCckblick-auf-die-sportliche-entwicklung-der-%C3%A4ra-welling-ein-kommentar.html

Ein paar persönliche Ansichten zur aktuellen „Hexenjagd“ und zur Situation bei RWE seien aber dennoch gestattet: Wir befinden uns unstrittig in der Situation, dass wir auf dem Platz nicht etatkonform performen. Ich rede dabei nicht von Aufstieg, sondern einfach nur von Tuchfühlung zur Spitze. Bei unserem Etat sollten wir in den letzten 2 Jahren und der laufenden Saison eigentlich unter die ersten Fünf kommen, mit Tuchfühlung zur Spitze. Das schaffen wir nicht und über die Gründe lässt sich trefflich streiten. Was ich nicht verstehe: Der größte Druck bei Misserfolg von außen kommt (mit einer großen Schnittmenge) von Leuten, die andererseits beim Thema Ausgliederung ohne überhaupt schon ein klares Konzept gesehen zu haben, ein kategorisches „Nein“ in den Raum stellen. In einer sich grade im Finanzierungsbereich rasant wandelnden Fussballlandschaft will man -aus durchaus nachvollziehbaren Gründen- bei einer Ausgliederung nicht „mitspielen“ und Mäzenatentum im e.V. geht ja schon gar nicht.

Mir fehlt da (völlig wertfrei) der logische Zusammenhang: Man sperrt sich kategorisch gegen einen Strukturwandel, akzeptiert aber anderseits nicht, dass ich dadurch zwangsläufig sportlich abgehängt werde und geht als Erster auf die Barrikaden, wenn es nicht läuft? Ich kann mit RWE als e.V. bis zum St. Nimmerleinstag leben, ich kann aber auch mit einer ausgegliederten Kapitalgesellschaft leben, die die Vereinsinteressen und die Vereinsidentität wahrt. Ich muss mir nur dann auch über die (wahrscheinlichen) Konsequenzen bewusst sein.

Schon heute sind uns zumindest der BVB als auch BMG bei der finanziellen Ausstattung deutlich voraus, ebenso Krefeld und Viktoria Köln. Rödinghausen schickt sich auch an, über das Mäzenatentum finanziell vorbei zu ziehen, wenn Sie es schon nicht längst getan haben. Würde auf Dauer ein der Wirtschaftskraft angemessener Platz 5 bis 6 in Liga 4 reichen und es käme nicht zu Fan-Protesten? Wohl kaum ... Da durchschnittlich 0,5 Mannschaften aus der Liga aufsteigen, kann man sich ausrechnen, wann wir dran wären, vorausgesetzt andere rüsten nicht weiter auf und von oben kommt niemand runter, der mit aller (finanziellen) Gewalt wieder hoch will. Wir stossen etatmäßig an Grenzen, was in unserer jetzigen Struktur und in dieser Liga mit „normalem“ Sponsoring machbar ist. Daran würde sich auch nichts Entscheidendes ändern, wenn wir bei besseren sportlichen Ergebnissen mehr Zuschauer im Stadion hätten. Zuschauereinnahmen bilden (leider) nur noch einen kleineren Teil der Einnahmen eines Vereins ab, sind aber natürlich wiederum wichtig für die Vermarktungsmöglichkeiten des Vereins im Sponsoring. Aber einzig ein Aufstieg und damit die überregionale Vermarktungsmöglichkeit würde hier die nächste Stufe zünden können. Aber das sind, wie gesagt, ganz persönliche Ansichten.

Ich wünsche unserem neuen Coach alles erdenklich Gute und der Mannschaft Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben.