Die Geschichte mit der GVE – Bericht des Fanvertreters

15.01.2018 | 18:01
Im folgenden findet ihr den Bericht von Ralf zu den Themen der Aufsichtsratssitzung der vergangenen Woche. Im Mittelpunkt steht die Klage der GVE zu den Markenrechten. Ralf gibt einen ausführlicheren Überblick zur Geschichte mit der GVE und den Pachtverträgen im Stadion Essen, worin das Thema Markenrechte eingebunden ist. Hier geht es zum Bericht:

Es ist schon ein paar Wochen her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe.
Die AR-Sitzung im Dezember musste ich krankheitsbedingt absagen und auch letzten Dienstag war ich alles Andere als fit.
Eine ausgewachsene Männergrippe hatte mich so fest im Griff, dass ich am Ende der Sitzung mit meinem „dickem“ Kopf die Unterlagen nebst meinen Notizen vor Ort liegengelassen habe.
Muss aber auch so gehen :

Kernthema war mal wieder die GVE



Eine (für uns natürlich nicht überraschende) Pressemitteilung der städtischen Tochtergesellschaft sorgte ja zwischenzeitlich schon für erhöhte Aufmerksamkeit im RWE-Lager.
Die GVE hat Ihren Ankermieter RWE verklagt....
Ich versuche den komplexen Sachverhalt mal hier etwas vereinfacht darzustellen, muss dafür aber trotzdem etwas ausholen.
RWE hat mit der GVE seit Ende 2014 einen Pachtvertrag für das Stadion Essen. Der Abschluss dieses Vertrages erfolgte nach über 2-jährigen Verhandlungen
In diesen Verhandlungen hatte RWE mehr als einmal den Eindruck, dass man sich einig sei, bis die GVE wieder mit einem anderen Thema aufschlug. Dann ging es aber plötzlich ganz schnell und kurz vor Ende des Jahres 2014 wurde auf dringenden Wunsch der GVE (die GVE musste bis Jahresende irgendwelche Fristen einhalten) der Vertrag dann tatsächlich geschlossen.
Übrigens mit einer Laufzeit von 10 Jahren.
Mal schnell gerechnet: Gut 3 Jahre davon sind jetzt um, aber bereits vor 2 Jahren (Ende 2015) also nach 1 Jahr Vertragslaufzeit, wollte die GVE plötzlich eine höhere Pacht.
Dabei muss man wissen, das man beim Stadionneubau in der Politik davon ausgegangen war, dass RWE als Viertligist gar keine Pacht zahlen muss. Doch schon im aktuellen Pachtvertrag schluckte RWE die Kröte, eine umsatzabhängige Pacht zu zahlen. Das war auch irgendwo in Ordnung, weil u.a. die Logen, entgegen der ursprünglichen Planung ,sofort ausgebaut wurden und hieraus Mehreinnahmen möglich waren
Jetzt aber sollte die Pacht nicht mehr umsatzabhängig sein, sondern fixe Euro 200.000,-- standen Ende 2015 im Raum.
Obwohl man zu diesem Zeitpunkt einen noch 9 Jahre laufenden Vertrag hatte, verschloss sich RWE nicht Gesprächen mit der GVE, die dann wieder 2 Jahre dauern sollten.
Argument der GVE: Die Stadt/GVE besitzt aus dem Kölmel-Deal 2009 die nicht audiovisuellen Marketingrechte von RWE.
Sprich: Alle Erlöse, die mit der Marke RWE erzielt werden (Merchandising, Werbung, Sponsoring etc.) stehen der Stadt/GVE zu.
Diese Rechte sind für eine GVE aber wertlos, da die Erlöse aus der Marke RWE logischer Weise für den Spielbetrieb benötigt werden. Wenn RWE kein Geld für den Spielbetrieb hat, ist in kurzer Zeit die Marke RWE auch nix mehr wert.
Mal davon abgesehen, dass die GVE logistisch kaum in der Lage wäre, RWE zu vermarkten.
Daher war man sich auch über Jahre einig, dass RWE diese Rechte zur Nutzung überlassen werden und zwar unentgeltlich. Eine abschließende rechtliche Klärung, wem diese Markenrechte nach der Insolvenz 2010 letztlich zustehen, wurde daher bislang von keiner Seite angestrebt.

Kölmelfolgen und Stadionkosten



Und schon gar nicht war bisher Thema, dass RWE Zahlungsverpflichtigungen an Kölmel, die die Stadt 2009 ebenfalls übernommen hat, künftig leisten soll. Diese gelten zwar erst ab Liga 3, belaufen sich dann aber auf Euro 100.000,-- pro Jahr, für rund 28 Jahre....

Da man Ende 2015,nach 1 jähriger Laufzeit des Pachtvertrages, seitens der GVE offensichtlich „überrascht“ festgestellt hat, dass die Pachteinnahmen den Stadionberteib nicht refinanzieren, spielte man seitens der GVE nun doch diese Karten, um RWE etwas unter Handlungsdruck zu setzen. Legitim, aber strategisch sinnvoll?
Aber wie schon gesagt: RWE war und ist hier an einer einvernehmlichen Lösung interessiert und die schien Ende letzten Jahres nach nochmals intensiven Gesprächen auch gefunden.
Wie gesagt: Schien...das (vorläufige) Ergebnis ist eine Millionenklage der GVE gegen RWE, für die mir persönlich jedes Verständnis fehlt.

Gestartet ist man damals mit einem neuen Stadion für die Stadt Essen mit dem Ankermieter RWE und der Aussage „Pacht erst ab Liga 3“, dann kam die umsatzabhängige Pacht, jetzt soll es eine Festpacht werden, die zudem noch Dinge berücksichtigen soll, die bisher nie Thema zwischen den Vertragsparteien waren (Marketingrechte, Rückzahlungsverpflichtungen Kölmel).
Das alles ist auch noch vor dem Hintergrund zu sehen, dass wir seit Jahren einen dramatischen Rückgang der Sponsoringeinnahmen kommunaler Unternehmen zu verzeichnen haben.
In der Saison 2009/2010 lag der Anteil kommunaler Sponsoren noch bei 48 % vom Gesamtvolumen, in der Saison 2016/2017 gerade mal noch bei 16% !
Dabei sind die Gesamtsponsoringerlöse in diesem Zeitraum sogar um mehr als 15 % gestiegen...

Nicht falsch verstehen: RWE hat kein Recht auf kommunale Unterstützung in welcher Form auch immer. Schon gar nicht als Verein, der bis zur Insolvenz jahrzehntelange Misswirtschaft betrieben hat.
Der „Nachinsolvenz“-RWE hat aber deutlich mehr Vertrauen und Kooperationsbereitschaft seitens der Kommune verdient.
Aktuell aber sägt die GVE an einem Ast auf dem Sie selbst sitzt.

Zum Sportlichen:



Jürgen Lucas war auch wieder vor Ort und erläuterte uns die vertragliche Situation der Spieler und seine bzw. Agis Überlegungen für die künftige Ausrichtung des Kaders.
Revierport hat hierzu ja auch schon eine Wasserstandsmeldung abgegeben, wobei die Äußerungen des RS über Verbleib/Trennung bei einzelnen Spielern reine Mutmaßungen sind.
Es ist schon etwas komplexer als „Daumen rauf/Daumen runter“.
Sowohl JL als auch AG werden hier in den nächsten Wochen gemeinsam Ihren Job machen.
Wenn es nach mir geht, sollen die beiden das nächste Saison auch gemeinsam tun. Man wird hier sicherlich zeitnah sprechen.

Das Vertragsende mit Michael Welling wurde zwischenzeitlich auch fixiert, hier greife ich der noch folgenden, offiziellen Mitteilung des Vereines aber nicht vor.
Auch wenn er das nicht will, werden wir sicherlich einen angemessenen Rahmen für seine Verabschiedung finden. Trotz der sportlichen Stagnation der letzten Jahre hat er RWE nicht nur ein ehrliches, vertrauenswürdiges und sympathisches Gesicht (mit den unterschiedlichsten Frisuren!) gegeben, sondern zudem gemeinsam mit seinem Team eine Vereinsstruktur geschaffen, auf die sein Nachfolger aufbauen kann und aufbauen wird !

Man sieht sich beim Test gegen Bielefeld am 19.01. !